Übersicht

Eine zwingende Voraussetzung für die Entwicklung eines situationsgerechten Vertrages (oder eines situationsgerechten Vertragswerkes) ist eine gründliche Analyse der Deal-Situation durch Mandant und Anwalt.
Je mehr Mandant und Anwalt bei der Analyse der Deal-Situation dem 360-Grad-Ansatz Genüge tun und die Deal-Situation von allen relevanten Perspektiven her betrachten und analysieren, desto besser versetzen sie sich in die Lage, eine situationsgerechte Vertragsdokumentation zu erschaffen. „Situationsgerecht“ bedeutet u.a. interessen- und sachgerecht.
Wie in der Einführung unter der Frage „Wie erstellt man eine Analyse der Deal-Situation?“ erörtert, wendet Barber Odenbach bei der Analyse der Deal-Situation ein Denkmodell an, bei dem Mandant und Anwalt die Deal-Situation sukzessive – und ggf. wiederholend – aus den folgenden fünf Perspektiven analysieren:
- wirtschaftliche Perspektive
- ordnungspolitische Perspektive (Legal Compliance)
- bilanz- und steuerrechtliche Perspektive
- „schlechtwetterrechtliche“ Perspektive (Zivilprozessrecht, Zwangsvollstreckungsrecht, Insolvenzrecht)
- zivilrechtlich-vertragsgestalterische Perspektive
Wie unter der Frage „Wie erstellt man eine Analyse der Deal-Situation?“ näher ausgeführt, genügt es häufig nicht, das vorstehende Denkmodell nur einmal abzuspulen. Eine Analyse aus den fünf Perspektiven muss in vielen Fällen wiederholt und vertieft werden – und zwar solange, bis eine holistische Erkenntnis gereift ist.
Basierend auf dieser Denk- und Arbeitsweise im Sinne des 360-Grad-Ansatzes haben die Anwälte von Barber Odenbach im Hinblick auf die vorgenannten fünf Perspektiven die oben dargestellte grafische Arbeitshilfe eines Fünfecks (Pentagons) herangezogen.
Dabei haben sie die Deal-Situation ins Zentrum ihrer Betrachtungen (d.h. des Fünfecks) gerückt und an jeder der fünf Wände imaginäre „Fenster“ für die Betrachtungen der Deal-Situation aus den fünf verschiedenen Perspektiven angebracht.
Es war dann nur ein kleiner Schritt, ein Fünfeck als Logo für Situation Law – und auch für Barber Odenbach – zu nutzen.
Zur Klarstellung muss erwähnt werden, dass in vielen Praxisfällen einzelne der fünf Perspektiven wiederum in Teilperspektiven aufgeteilt werden müssen.
Insbesondere der Mandant wird seine wirtschaftliche Perspektive nicht nur aus einem einzigen Blickwinkel heraus definieren. Mit größerer Wahrscheinlichkeit wird er zumindest zwischen Potenzial-Nutzung und Chancenwahrung, Risikomanagement, Zeitmanagement, Liquiditätsmanagement und Teammanagement unterscheiden.
In bankrechtlichen Mandaten muss die ordnungspolitische Perspektive regelmäßig in die datenschutzrechtliche und die bankenaufsichtsrechtliche Perspektive zerlegt werden.
Ebenso regelmäßig muss bei Deals die bilanz- und steuerrechtliche Perspektive in die umsatzsteuerliche, einkommen- bzw. körperschaftsteuerliche sowie die gewerbesteuerliche Perspektive unterteilt werden. Bei Immobilien-Deals kommt zumindest noch die grunderwerbsteuerliche Perspektive hinzu.
Das Fünfeck symbolisiert also nur den Einstieg in einen Entscheidungsprozess, der im konkreten Einzelfall bei Berücksichtigung des 360-Grad-Ansatzes häufig (weitaus) mehr als fünf Perspektiven mit sich bringt. Nicht selten kommt es in der Praxis zu einem gedanklichen Gebilde bestehend aus zehn oder mehr Seiten und Ecken.
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